Mein Unterricht

Was hat jemand zu erwarten, der Unterricht bei mir nimmt? Im Bewusstsein nicht alles von vornherein restlos klären zu können versuche ich im Folgenden dem/der angehenden Schüler/in und alle anderen, die es interessiert, eine Vorstellung zu geben, was ihn/sie erwarten könnte (im weiteren Text meine ich mit Schüler/Student/Musiker etc. ausdrücklich auch Schülerin/Studentin/Musikerin und weise alle diesbezüglichen Proteste jetzt schon zurück)




Voraussetzungen

In vielen Fällen besteht keine Möglichkeit mehr, die Eignung eines Schülers zum Kontrabass zur Voraussetzung für das Studium zu machen - all zu oft haben Menschen schon sehr viel Zeit, Mühe und Geld aufgewendet, um das Instrument ihrer Wahl studieren zu können. Wenn so jemand einen im Verhältnis zu seinem Lebensalter günstigen Ausbildungsstand hat, der das Erreichen des Zieles (s.u.) realistisch scheinen lässt, sollte man ihm das Studium auch ermöglichen.
In dem wünschenswerten Fall, dass ich einen Jugendlichen, der vor der Entscheidung für oder gegen ein Kontrabassstudium steht, beraten kann, werde ich die körperliche Eignung auf jeden Fall in meine Überlegungen einbeziehen - so wie es für die meisten Sportarten günstigere oder ungünstigere physische Konditionen gibt, haben unbestreitbar kräftiger gebaute Personen mit großen Händen und breiten, starken Fingern auf unserem Instrument einen Vorteil. Natürlich gibt es genug Menschen von feingliedrigem Körperbau mit schmalen Händen und schlanken Fingern, die ihren Weg mit dem Kontrabass gemacht haben - aber eben, wie ich meine, mühevoller und mit einem langfristig größeren Gesundheitsrisiko.

Dass die musikalische Begabung ohne jede Einschränkung wie bei jedem anderen Instrument auch für den Kontrabass eine absolute Voraussetzung ist, sollte heute selbstverständlich sein. Etwas schwieriger ist dagegen die Frage, wann denn der Kontrabassunterricht aufgenommen werden soll. Meine persönliche Erfahrung ist, dass zwar ein möglichst frühes Erlernen eines anderen Instrumentes, idealerweise eines Streichinstrumentes, für das Kontrabassstudium eine gute Ausgangsbasis ist, jedoch der Unterricht im Volksschulalter mit Viertel- Achtel- oder noch kleineren Kontrabässen in den seltensten Fällen den gewünschten Erfolg bringt. Ich weiß wohl, dass ich mit dieser Aussage eventuell Kontroversen auslöse, jedoch muss ich festhalten, dass ich bis heute noch keinen 15-jährigen Superstar gesehen habe, der sein Studium mit sechs Jahren auf einer winzigen Bassgeige begonnen hat.

Den richtigen Zeitpunkt für den Wechsel zum Kontrabass sehe ich gekommen, wenn ein halbwegs normal großes Instrument verwendet werden kann - die dann vielleicht 12- bis 15jährigen suchen sich "ihr" Instrument eher bewusst aus und bleiben deshalb auch dabei, während Kinder, die schon jahrelang auf einem schlechten Miniaturinstrument herumgekratzt haben, in diesem Alter eventuell schon genug davon haben.




Der Anfang

Die erste Zeit bei mir ist in jedem Fall mühsam, für mich genauso wie für den Studenten. Ich bin überzeugt, dass einerseits der Schlüssel für gute Intonation und Technik ebenso wie für großen und wandlungsfähigen Ton in penibelster Aneignung einer idealen Haltung liegt, diese aber andererseits bestmögliche Effizienz und Kraftausnützung bringt - und Kraft ist beim Kontrabass tatsächlich für alles nötig.

Die Finger der linken Hand müssen absolut genau innerhalb der Lagen ihren Platz auf den einzelnen Saiten finden, sich entlang imaginärer Bünde quer über die Saiten bewegen, was beim Kontrabass durch die großen seitlichen Abstände der Saiten besonders in den höheren Lagen schwieriger als bei den anderen Streichinstrumenten ist. Zusätzlich muss das Gehör geschärft werden - die meisten sind überrascht, wie genau das gehen muss...

Der Bogen muss hundertprozentig rechtwinkelig und vor allen Dingen an einer genau definierten Kontaktstelle geführt werden. Was man in den unteren Lagen meint vernachlässigen zu können (die langen Saiten tolerieren vorerst so manche Ungenauigkeit im Strich), rächt sich später in den hohen Lagen; auch hier ist Sorgfalt von Anfang an gefragt. Das Gefühl für einen guten Bogenkontakt und einen sauberen, klaren Ton gehört von Anfang an entwickelt.




Nach den ersten Hürden: das Repertoire

Wenn alles so läuft, wie der Student und ich sich das wünschen, verlagert sich der Schwerpunkt der Ausbildung mehr und mehr auf das Repertoirestudium. Hier versuche ich eine möglichst breite Bandbreite abzudecken, von Barock über Klassik und Romantik bis zur Zeitgenössischen Musik, wobei ich Originalkompositionen, soweit vorhanden, den Vorzug gebe. Transskriptionen sind besonders anfangs oft unentbehrlich, insbesondere Barock- , aber auch klassische Stücke der Celloliteratur brauchen wir einfach; allerdings lässt sich dabei die Problematik der historischen Aufführungspraxis von Anfang an nicht negieren. Hier bin ich für eine gesunden Kompromiss aus dem Wissen, wie es war, und dem klaren Blick auf die Zeit, in der wir leben, und ihr Instrumentarium.

Transskriptionen großer Werke der Cello - und sonstigen Konzertliteratur sollten wirklich für das Ende des Studiums oder für ein postgraduales Studium reserviert bleiben und brauchen meines Erachtens nicht zur Standardanforderung für ein Kontrabassstudium werden.

Was meine Toleranz für eigene Ideen in Bezug auf technische Details wie Fingersätze, Striche etc. einerseits und Interpretation andererseits anbelangt, so nimmt diese mit fortschreitender Reife des jungen Musikers zu: soll heißen, anfangs kann ich wenig Widerspruch zulassen, später finde ich ein eher kollegiales Verhältnis zum gemeinsamen Erarbeiten der Sache durchaus angebracht.

Genauso wichtig wie das Studium der Solostücke ist von Anfang an das der Orchesterliteratur. Die wichtigsten Stellen aus Oper und Symphonie, allen voran natürlich die "Probespielstellen", müssen uns das ganze Studium hindurch begleiten.




Das Ziel

Natürlich ist das Ziel des Studiums zumindest auf dem Papier ein Abschluss, der derzeit nach Absolvieren diverser Diplomprüfungen und Verfassen einer Diplomarbeit als "Magister/Magistra Artium" zu erwerben ist (Wiener Musikuniversität). Für mich ist das erklärte erste Ziel des Kontrabassstudiums in meiner Klasse das Erlangen einer Stelle in einem Orchester, wobei ich diesen Terminus durchaus weit fassen möchte. Alternativen dazu sind Positionen in kleineren Formationen, welcher stilistischen Ausrichtung auch immer, oder als Kontrabasslehrer.

Aus dieser Zielsetzung ergibt sich auch das angestrebte Niveau: bei Studienabschluss sollte man eine realistische Chance (s.o.) darauf haben entweder ein Probespiel zu gewinnen oder aber eine andere Position zu erhalten, von der man seinen Lebensunterhalt bestreiten kann.